108. Brauerstammtisch – 4. September 2026

Am Freitag, den 4. September 2026, fand unser 108. Brauerstammtisch statt – und der Abend hätte kaum schöner sein können. Bei einer wunderbar lauen Sommernacht saßen elf Hobbybrauer im Biergarten zusammen – ein Rahmen, der allein schon für beste Stimmung sorgte. Wie immer stand zunächst das gemeinsame Essen im Vordergrund, bevor wir uns dem Hauptprogramm widmeten. Bei gutem Essen, angeregten Gesprächen und dem ein oder anderen frisch gezapften Bier ließ sich der Abend hervorragend einläuten.
Was uns dann erwartete, war eine der vielfältigsten Verkostungsrunden seit langem: sieben selbst gebraute Biere und ein Honigwein standen auf dem Programm – eine beeindruckende Bandbreite von leichten Hellen über ein fränkisches Braunbier und einen Hellen Bock bis hin zu einem belgischen Flanders Brown Ale und einem süßen Met. Für Diskussionsstoff und staunendes Kopfnicken war reichlich gesorgt.
Bier 1: Leichtes Helles
Conrad und Christian eröffneten die Verkostung mit einem leichten Helles – noch sehr jung, frisch abgefüllt und mit 11,9 °P Stammwürze angenehm leicht. Die Malzbasis aus Pilsner Malz und etwas Caramalz gibt dem Bier einen feinen, süffigen Grundcharakter, während die Hopfenkombination aus Ariana und Herkules für eine frische, dezente Bitterkeit sorgt. Man merkte dem Bier an, dass es noch etwas Lagerzeit vertragen könnte – aber schon jetzt zeigte es viel Potenzial für einen klassischen, unkomplizierten Sommertrunk.
Bier 2: unNormales Helles
Alwin brachte ein Bier mit dem treffenden Namen „unNormales Helles“ – und der Name hält, was er verspricht. Mit 13,5 °P Stammwürze und einem konsequenten SMaSH-Ansatz (Single Malt & Single Hop) aus reinem Pilsner Malz und Tradition-Hopfen ist das Rezept zwar puristisch, aber das Ergebnis alles andere als schlicht. Das Bier präsentierte sich stark im Geschmack, die höheren Alkohole machten sich deutlich bemerkbar. Die Runde war sich einig: Hier hat sich eher ein Festbier in ein Helles Lager verirrt. Ein Bier mit Charakter und Nachdruck – nichts für schwache Nerven.
Bier 3: Hopfiges Helles
Ihr zweites Bier des Abends präsentierten Conrad und Christian als ausgewachsenen Hoppy Hell: gebraut im März 2026 und damit mit ordentlich Lagerzeit im Rücken. Mit 11,5 °P Stammwürze bleibt es leicht und trinkbar. Die Malzbasis aus Pilsner Malz und Münchner Malz gibt dem Bier eine gefällige Tiefe, während die Hopfung clever zweigeteilt ist: Cascade zum Bittern, Callista und Amarillo als Aromagabe. Vergoren mit der FermoLager W-Hefe ist das Ergebnis hopfig, ausgewogen, frisch und aromatisch.
Bier 4: Pale Ale mit Grünhopfen
Simon brachte ein Pale Ale mit, das in der Runde gut ankam. Die Malzbasis aus Pilsner Malz und Münchner Malz bildet ein solides Fundament, ergänzt durch eine durchdachte Hopfenstrategie: Herkules zum Bittern, dazu Grünhopfen Ariana und Cascade als Aromagabe – frisch von der Dolde, was dem Bier eine angenehme, lebendige Frische verleiht. Mit 13,4 °P Stammwürze und 5,3 Vol.-% ist das Pale Ale ausgewogen kräftig und präsentierte sich fruchtig und trinkbar – ein gelungener Beitrag zum Abend.
Bier 5: Fränkisches Braunbier
Mit seinem zweiten Bier des Abends überraschte Alwin die Runde mit einem fränkischen Braunbier – einem echten Schmuckstück. Auf Basis von Pale Ale Malz und Münchner Malz setzt er auf eine vielschichtige Spezialmalzkombination: Coffee Malt für Röstaromen, Rauchmalz für eine dezente Tiefe und Chocolate Malt für dunkle, kakaoartige Nuancen. Mit 13,8 °P Stammwürze ist das Bier vollmundig und komplex. Der Schaum präsentierte sich stabil und feinporig, die Aromatik war stark und eindrucksvoll.
Bier 6: Heller Bock
Ihr drittes und letztes Bier des Abends brachten Conrad und Christian in Form eines Hellen Bocks: mit 17,9 °P Stammwürze das schwerste Lagerbier des Abends, gebraut bereits im August 2025 und damit gut gereift. Die Hopfenkombination aus Herkules und Ariana verspricht Struktur und Aroma. Leider zeigte das Bier eine leichte Säure, die auf eine mögliche Milchsäureinfektion hindeutet. Interessanterweise machte genau das den Bock für Liebhaber von Sauerbieren sehr trinkbar – schließlich ist die kontrollierte Säure auch ein anerkannter Bierstil mit langer Tradition. Dennoch bleibt es eine wertvolle Erkenntnis für den nächsten Sud.
Bier 7: Flanders Brown Ale (Oud Bruin)
Den Abschluss der Bierverkostung gestaltete Stefan mit seinem Flanders Brown Ale, auch bekannt als Oud Bruin – einem belgischen Klassiker, der in unserer Runde bisher noch nicht vertreten war. Mit rund 22 °P Stammwürze ist dieses Bier ein echtes Schwergewicht. Die Malzkombination ist komplex: Weizenmalz, Münchner Malz, Wiener Malz und Caramalz ergeben eine tiefgründige, malzige Basis. Gehopft wurde mit Akoya, vergoren mit gleich vier verschiedenen Hefen bzw. Blends. Zusätzlich zur Bierwürze wird Zuckersirup mit vergoren, was dem Bier zusätzliche Vergärbarkeit und Komplexität verleiht. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges Bier mit den typischen fruchtigen und leicht säuerlichen Noten eines echten Oud Bruin – aufwendig gebraut und handwerklich beeindruckend.
Honigwein
Das süße Finale des Abends gehörte Phil und seinem Honigwein – einem Met, der die Runde mit seiner unerwarteten Süffigkeit überraschte. Stark süffig und mit einem feinen Marzipan-Unterton präsentierte sich der Met als perfekte süße Abrundung eines langen Abends. Kein Bier im eigentlichen Sinne – aber ein charmanter Schlusspunkt einer außergewöhnlich vielfältigen Runde.
Fazit: Ein Abend wie aus dem Bilderbuch
Sieben Biere und ein Honigwein – von leicht bis schwer, von klassisch bis experimentell, von makellos bis lehrreich. Der 108. Stammtisch war eine der vielfältigsten Verkostungsrunden, die wir je hatten, und hat einmal mehr gezeigt, wie breit das handwerkliche Spektrum unserer Runde ist. Ob das hopfige Helles, das fruchtige Pale Ale mit Grünhopfen, das komplexe Flanders Brown Ale oder der süßliche Honigwein von Phil – jedes Glas erzählte seine eigene Geschichte.
Und das alles bei einer lauen Sommernacht im Biergarten – schöner geht es kaum. Wir freuen uns schon auf den nächsten Stammtisch!
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