105. Brauerstammtisch – 5. Juni 2026

105. Brauerstammtisch – 5. Juni 2026

Am Freitag, dem 5. Juni 2026, fand zum 105. Mal unser Brauerstammtisch statt – und wieder einmal zeigte sich, warum wir diese Runde so schätzenNeun Hobbybrauer fanden sich in der gemütlichen Atmosphäre unserer Wirtschaft zusammen, um gemeinsam zu essen, zu reden und natürlich selbst gebraute Biere zu verkosten. Wie immer stand zunächst das gemeinsame Essen im Vordergrund – bei gutem Essen, einem frisch gezapften Bier und angeregten Gesprächen lässt es sich einfach am besten ankommen. Die Stimmung war von Beginn an hervorragend.

Nach dem Essen war es dann soweit: Zwei Biere warteten auf ihre Verkostung – ein Farmhouse Ale mit einer ganz besonderen Entstehungsgeschichte und ein modernes Cold IPA, das die Messlatte für Fruchthopfung ordentlich hochlegte. Beide Biere überzeugten mit tollem Schaum, eigenem Charakter und viel Diskussionsstoff für die Runde.

Bier 1: Farmhouse Ale

Das erste Bier des Abends hatte bereits vor dem ersten Schluck eine Geschichte zu erzählen: Das Farmhouse Ale wurde von Tom und Dieter auf dem Bio-Genuss-Festival auf dem Leinfelderhof in Schrobenhausen gebraut – ein echtes Brau-Erlebnis unter freiem Himmel, mitten im Bio-Genuss-Umfeld. Die anschließende Vergärung übernahm Till, der dem Bier die nötige Ruhe und Fürsorge für seine Reifung gegeben hat. Ein Gemeinschaftsprojekt also – und das schmeckt man.

Bereits beim Einschenken überzeugte das Bier mit einem wunderschönen, stabilen Schaum. Die Rezeptur setzt auf eine durchdachte Malzkombination: Die Hälfte der Schüttung besteht aus Pale Ale Malz, ergänzt durch etwas Münchener Malz und eine Handvoll Melanoidinmalz für Tiefe und Farbe. Das Besondere: Die gesamte Menge wurde mit Rohfrucht-Weizen verdoppelt, was dem Bier eine feine, getreidige Leichtigkeit und einen trüben, lebendigen Charakter verleiht.

Hopfentechnisch setzt das Farmhouse Ale voll auf Amarillo – sowohl in der Kochung als auch als Kalthopfung, was die fruchtig-blumigen Zitrusnoten nochmals deutlich unterstreicht. Die wilde Kveik-Hefe Ebbegarden sorgt für den typischen Farmhouse-Charakter mit fruchtig-warmen Aromen. Mit 16 °P Stammwürze, 6,0 % Vol. und 35 IBU ist das Bier ausgewogen kräftig – komplex, lebendig und mit einer Entstehungsgeschichte, die das Trinken gleich noch ein bisschen schöner macht.

Bier 2: Cold IPA

Das zweite Bier des Abends kam von Matthias und sorgte für große Begeisterung in der Runde: ein Cold IPA – ein noch relativ junger Bierstil, der die Fruchthopfigkeit eines IPAs mit der Sauberkeit und Spritzigkeit einer Lagerhefe kombiniert. Das Ergebnis war beeindruckend.

Schon beim Einschenken zeigte sich ein fantastischer, cremiger Schaum. Der erste Schluck bestätigte den Eindruck: sehr fruchtig, saftig, lebendig – die Hopfenkombination aus Galaxy, Cascade US und dem samtigen Cashmere entfaltet ein Aromaspektrum, das von tropischen Früchten bis hin zu frischen Zitrusnoten reicht und die Runde ins Schwärmen brachte.

Die Malzbasis aus 77 % Pilsner Malz, 15 % Reisflocken und 8 % Maisflocken sorgt für einen schlanken, trockenen Körper – typisch für den Cold-IPA-Stil – und lässt die Hopfenaromen vollständig in den Vordergrund treten. Die Saflager SH-45 Hefe, vergoren bei niedrigen Temperaturen, bringt die saubere, neutrale Basis, die diesen Stil auszeichnet. Mit 16 °P, 7,0 % Vol. und 55 IBU ist das Cold IPA zwar kraftvoll, wirkt aber erstaunlich leicht und frisch – ein echtes Sommer-IPA. Die Runde war sich einig: Mit ein paar Eiswürfeln und einer Scheibe Orange im Glas würde es fast als Drink oder Cocktail durchgehen – und das ist definitiv als Kompliment gemeint.

Fazit: Handwerk, Kreativität und Gemeinschaft

Zwei Biere, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch haben beide auf ihre ganz eigene Art die neun anwesenden Brauer begeistert. Das Farmhouse Ale als echtes Gemeinschaftsprojekt, entstanden auf einem Bio-Festival und zu Ende vergoren von einem Dritten, steht sinnbildlich für das, was unseren Stammtisch ausmacht: das gemeinsame Brauen, Teilen und Weiterentwickeln. Das Cold IPA von Matthias hingegen zeigt, wie präzise und stilsicher in unserer Runde gebraut wird – ein Bier, das in jeder Craft-Beer-Bar bestehen würde.

Nach intensiver Verkostung und angeregten Diskussionen ließen wir den Abend entspannt ausklingen. Unser Stammtisch ist eben mehr als nur Bier verkosten – es ist der regelmäßige Treffpunkt einer Runde von Menschen, die das Brauen lieben und dieses Handwerk mit Leidenschaft, Neugier und einem guten Schuss Experimentierfreude betreiben. Wir freuen uns schon auf den nächsten Stammtisch!

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